Projekt

Kirch Grubenhagen

Steckbrief

Pastor Karl-Martin Schabow (im Ruhestand) berichtet:

„Auf einem Berg inmitten der Mecklenburgischen Schweiz liegt die Dorfkirche St. Johannis zu Kirch Grubenhagen. Von dort oben hat man einen weiten Blick in die Mecklenburgische Schweiz und auf den Malchiner See. Die Dorfkirche St. Johannis zu Kirchgrubenhagen ist ein Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert mit einem massigen Westturm, eingerahmt von einem alten Baumbestand, der dem Friedhof um die Kirche ein besonderes Gepräge gibt. Die Halle des Turmes und der großzügige Chorraum der Kirche sind eingewölbt, während das Kirchenschiff bei der Renovierung 1861 eine Holzdecke erhielt. Zwei übergroße Epitaphe aus dem 17.Jahrhundert im Chorraum der Kirche fallen beim Betreten der Kirche sofort ins Blickfeld.

Von 1976 bis 1989 war ich, Karl-Martin Schabow, Pastor in der Kirchengemeinde Kirch Grubenhagen. Wir wohnten unweit der Kirche im Pfarrhaus in Kirch Grubenhagen. Heute ist das Pfarrhaus verkauft und die Kirchengemeinde Kirch Grubenhagen wurde verbunden mit der Kirchengemeinde Jabel. Pfarrsitz dieser verbundenen Gemeinde ist nun Jabel. Die Kirchengemeinde Kirch Grubenhagen hat in der Turmhalle der St. Johannis Kirche  ein kleines Gemeindezentrum eingebaut mit einem beheizbarenVersammlungsraum, einer Teeküche und Toiletten. Die Kirche in Kirch Grubenhagen ist mir in meiner Dienstzeit von 1976 bis 1989 sehr ans Herz gewachsen und bis heute sind intensive Erlebnisse mit diesem Gebäude in meinen Erinnerungen nicht verloren gegangen.

Das Dach der Kirche war in einem desolaten Zustand. Es regnete ständig durch. Durch abgefaulte Balkenköpfe drohte die Dachkonstruktion wie ein Kartenhaus zusammenzustürzen. Bei heftigem Wind musste häufig das Kirchengebäude weitläufig abgesperrt werden, weil die alten Dachziegel wie Geschosse vom Dach flogen. Feuchtigkeit hatte das Mauerwerk großflächig durchnässt. Die politischen Verhältnisse waren damals so, dass wir für die Kirche kein Material bekamen. Es war nicht gewollt,. Ich habe damals um jede Dachlatte, um jeden Sack Zement , um jedes Brett kämpfen müssen vor den Behörden. Dann erhielten wir 10 T. Dachsteine, die in Meißen hergestellt und von der Partnerkirche in Bayern finanziert wurden. Die Dachsteine reichten für die Neueindeckung des halben Kirchenschiffs. Meine Frau und ich haben auf dem Kirchberg bei strömendem Regen die Dachsteine allein abgeladen, niemand wollte oder konnte uns helfen, da es politisch nicht gewollt war, dieses schöne Gebäude zu erhalten und die Menschen eingeschüchtert waren von den politischen Machtansprüchen zwei großer Agrarbetriebe,die das politische Leben in den Dörfern der Gemeinde bestimmten. Die Neueindeckung des halben Kirchenschiffs dauerte 7 Monate, da die „ Feierabendbrigade“ nur am Wochenende arbeiten konnte. Als ich 1989 die Pfarrstelle wechselte ahnte ich noch nicht, welche Möglichkeiten zur Erhaltung der kirchlichen Gebäude nach der Wende der Kirche zur Verfügung stehen würden. Der Förderverein zur Rettung der Dorfkirche St. Johannis zu Kirch Grubenhagen e.V. wurde gegründet. Der Verein bemühte sich, Gelder einzuwerben. Förderverein und  Kirchengemeinde gelang es, in den letzten Jahren die St. Johanniskirche wieder instand zusetzen. Als die Gelder für die Innenrestaurierung nicht reichten, stellte der Förderverein der Kirchengemeinde ein Darlehen zur Verfügung, so dass die Innenausmalung abgeschlossen werden konnte. Für die nächste notwendige Reparatur am Kirchendach bitten Förderverein und Kirchengemeinde um finanzielle Unterstützung. Der Dachanschluss vom Kirchenschiff zum Chorraum ist durch Witterungseinflüsse undicht geworden und eindringendes Wasser könnte die Innenausmalung der Kirche wieder gefährden. Am Kirchendach müssen also umfangreiche Sanierungsarbeiten geschehen. Es ist zu wünschen, dass auch der Verein Dorfkirchen in Not für diese Baumaßnahme der Kirchengemeinde finanzielle Mittel zur Verfügung stellen könnte.“

Pastor i. R. Karl-Martin Schabow

 

Chronik

2. H. 13. Jahrhundert

Errichtung der Fekdsteinkirche, Langhaus, eingezogener Chor (Kreuzrippen eingewölbt)

13. -14. Jh.

Errichtung des massigen Turmes aus Backstein, Kreuzrippengewölbe in der Turmhalle, rechteckiger Grundriss, ursprünglich mit spitzbogiger Durchgangsöffnung, ähnlich Buchholz bei Röbel (sog. Laube, dort wohl 14. Jh.

17.-18.Jh.

Ausstattung des Kirchenraumes mit geschnitzter Kanzel, zwei Epitaphe aus Holz (Adolf Friedrich v. Maltzahn; Levin v. Maltzahn),

1861

Renovierung: Apsispolygon in Feld- und Backstein am Chor angesetzt, Fenster erneuert; Innen: neugotische Holzdecke, neugotische Altarwand, Farbfassung

Kirche, Kirch Grubenhagen, 13. Jahrhundert, Südostansicht
kirch grubenhagen, südansicht
kirch grubenhagen, ostansicht
kirch grubenhagen, turm
kirch grubenhagen, turmuntergeschoss
kirch grubenhagen, innenraum nach osten
kirch grubenhagen, innenraum nach westen
kirch grubenhagen, kanzelkorb
kirch grubenhagen, chorgestühl
kirch grubenhagen, geschädigte giebelkontur, 2016
kirch grubenhagen, abgängige giebelkontur, 2016
kirch grubenhagen
Buchholz bei Röbel, sog. Turmlaube