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Musikfest Landow der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

Musik verzaubert die Kultur- und Wegekirche Landow in einen Festsaal

Mittlerweile ist es der 18. Landower Musiksommer, der viele Menschen in die idyllisch gelegene kleine Dorfkirche im Westen der Insel Rügen lockt.
Percussion Community Rostock (Theresia Seifert und Manuel Francisco Anguas Rodriguez) beim Musikfest Landow am 30. Juni 2018 im Rahmen der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

Kaum zu glauben, dass dieser Raum einmal verlassen und dem Verfall preisgegeben war. Nach der baupolizeilichen Sperrung der aufgegebenen Kirche 1982 war die wertvolle barocke Ausstattung abgebaut und eingelagert worden. Die Geschichte der schrittweisen Sicherung und Restaurierung der Kirche von Landow und ihrer Ausstattung ist eng mit der Geschichte des Landower Musiksommers verbunden. Besucher konnten hier über Jahre miterleben, wie Stück für Stück restauriert und wieder zusammengefügt wurde. Das auf den ersten Blick marode wirkende Gemäuer im Inneren birgt eine bauhistorische Besonderheit. Beim Neubau der Backsteinkirche um 1400 blieben die Ständer eines älteren Fachwerkbaues stehen und wurden ummauert. Wo der Putz bröckelt, kann man sie heute sehen. Dendrochronologisch konnte das Fachwerk auf 1312 datiert werden – damit zählt es zu den ältesten erhaltenen Überresten einer Fachwerkkirche überhaupt.
Inzwischen ist auch die mit Wolken und Engeln bemalte barocke Bretterdecke wieder eingebaut und die Malerei gesichert. Studierende der Fachklasse Restaurierung der Hochschule für Bildende Künste Dresden leisteten während der akademischen Sommerschulen in Landow über Jahre wertvolle Arbeit. Das barocke Altarretabel von Elias Kessler ist so in mehreren Schritten wiedererstanden. Gegenwärtig sucht man nach einer Möglichkeit, die restaurierte barocke Kanzel beweglich im Raum zu installieren um den Blick auf die Chor-Bühne bei Musikveranstaltungen freihalten zu können. Das Nutzungskonzept erfordert wohldurchdachte Kompromisse.
Bewährt hat sich bei den Festspielen die Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater Rostock (hmt), die ihr Domizil im Katharinenstift der Hansestadt hat. Lehrende und Studierende der Hochschule boten unter der Leitung und Moderation von Prof. Stephan Imorde auch in diesem Jahr wieder ein abwechslungsreiches und fesselndes Programm. Es reichte von Ausschnitten aus dem Tatra Album für Klavier zu vier Händen op. 12 des polnischen Komponisten Ignacy Jan Paderewski (1860-1941), gespielt von dem Duo Sebastian und Arkadiusz Godzinski über Werke von Schumann, Liszt, Schostakowitsch, Bruckner u.v.a. bis zum Poème für Violine und Klavier von Ernest Chausson (1855-1899), meisterhaft gespielt von Johanna Strümpel an der Violine und Yuxing Chen am Klavier. Krönender Abschluss und einer der vielen musikalischen Höhepunkte des Abends war der Auftritt des seit 2013 bestehenden Schlagzeugensembles der hmt Percussion Community Rostock. Den Zuhörern wurde ein berauschendes Feuerwerk der Klänge geboten. Nicht zuletzt war es auch ein Fest für das Auge, den beiden Interpreten Theresia Seifert und Manuel Francisco Anguas Rodriguez bei ihrem rasend schnellen Spiel auf Marimbas und Trommeln zuzusehen.
Weitere Verranstaltungen des Landower Musiksommers finden Sie auf der Internetseite des Fördervereins.

lhttp://www.kirchelandow.de/programm.html

Detlef Witt 2018